21.06.2022

Volvo präsentiert Brennstoffzellen-Lkw mit 1.000 km Reichweite

von electrive.net

Volvo Trucks hat einen elektrischen Langstrecken-Lkw vorgestellt, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle auf bis zu 1.000 Kilometer Reichweite kommen soll. Wann ein solches Fahrzeug in Serie gehen könnte, lassen die Schweden noch offen – erste Testträger sind aber schon unterwegs.

Dass Volvo neben seinen aktuellen Batterie-elektrischen Lastwagen bei der Dekarbonisierung der Transportbranche auch auf die Brennstoffzelle setzt, ist lange bekannt. So haben die Schweden – nicht zu verwechseln mit dem weitgehend unabhängigen Autobauer Volvo Cars – gemeinsam mit Daimler Truck das Joint Venture Cellcentric gegründet, welches in seiner künftigen Fabrik in Weilheim/Teck Brennstoffzellen für die Langstrecken-Lastwagen der beiden Lkw-Hersteller produzieren soll.

Nur: Anders als Partner Daimler Truck mit dem GenH2 Truck hatte Volvo Trucks bisher noch kein konkretes Modell für die Cellcentric-Brennstoffzellen angekündigt.

Den Elektro-Lkw mit Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzellen will Volvo „in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts“ in sein Produktportfolio aufnehmen. Angesichts des gemeinsamen Lieferanten der Brennstoffzellen überrascht es kaum, dass Daimler Truck den gleichen Zeitraum als Premiere für seinen H2-Lkw anpeilt. Allerdings werden bereits vor der Serien-Premiere in der Pilotphase Kunden den schwedischen Wasserstoff-Lkw einsetzen – ein in der Transportbranche verbreitetes Vorgehen.

Bei den technischen Daten zu dem Brennstoffzellen-Lkw – zumindest der Prototyp basiert auf dem Volvo FH Electric – hält sich Volvo noch recht bedeckt. Neben der Reichweite auf dem Niveau eines Diesel-Lkw gibt der Hersteller nur an, dass die beiden Brennstoffzellen in der Lage sein sollen, 300 kW Strom zu erzeugen – wie im GenH2 Truck. Mit der zur Verfügung stehenden Leistung könne das Gesamtgewicht „rund 65 Tonnen oder sogar mehr“ betragen, so Volvo.

Ebenfalls eine wichtige Zahl: Der Wasserstoff-Vorrat an Bord soll in weniger als 15 Minuten aufgefüllt werden können. Um wie viele Kilogramm Wasserstoff es sich dabei handelt, erwähnen die Schweden nicht. Dennoch sind die 15 Minuten ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu dem Brennstoffzellen-Lkw von Daimler Truck: Die Deutschen bevorzugen für das Serienmodell bekanntlich tiefgekühlten, flüssigen Wasserstoff. Der auf -253 Grad Celsius gekühlte Wasserstoff wird dann LH2 genannt und kann wie eine Flüssigkeit in wenigen Minuten getankt werden. Zudem ist in den ebenfalls auf diese Temperatur gekühlten Tanks die Energiedichte höher – um die selbe Menge Wasserstoff zu speichern, wird also weniger Bauraum benötigt.

Der Haken: Die Wasserstoff-Infrastruktur ist derzeit auf die gasförmige Speicherung unter hohem Druck ausgelegt – für Nutzfahrzeuge bei 350 bar und für Pkw bei 700 bar. H2 Mobility, in Deutschland der größte Betreiber von Wasserstoff-Tankstellen, plant in seiner nächsten Ausbaurunde zwar einen Fokus auf H2-Nutzfahrzeuge, aber eben auch mit Tankstellen für gasförmigen Wasserstoff. Dennoch ist man bei H2 Mobility offen für LH2. Es ist ein großer Vorteil, dass Daimler Truck einer unserer Shareholder ist, daher sind wir stetig in einem engen Austausch zu verschiedenen Technologien und können frühzeitig reagieren“, sagte der H2-Mobility-Geschäftsführer Nikolas Iwan im März im Gespräch mit electrive.net.

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